Lastenheft Belplume

1. Produktionsbedingungen

Leitlinien des Belplume-Lastenheftes sind:

  • die Erzeugung von sicherem Geflügelfleisch;
  • die Gewährleistung verlässlicher Produktionsweisen und –bedingungen;
  • das Bemühen um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere;
  • die Schaffung von Transparenz und Rückverfolgbarkeit durch Austausch und Rückkopplung von Daten;
  • unabhängige Kontrolle und wirksame Sanktionen.

Konkret umgesetzt werden die genannten allgemeinen Prinzipien in praktische Regeln und Vorschriften mit unmittelbarem Bezug zur Betriebsführung; die Gesamtheit dieser Bestimmungen wird als "Zulassungsbedingungen des Lastenheftes" bezeichnet. Die Auslegung bzw. die praktische Umsetzung dieser Zulassungsbedingungen erfordert häufig zusätzliche Erläuterungen zu sehr spezifischen Themen. Diese werden in den Anlagen zu den Zulassungsbedingungen festgehalten.
Zudem gibt es, je nach Art der Betriebstätigkeit innerhalb der Geflügel-Produktkette, unterschiedliche Zulassungsbedingungen. Derzeit gliedern sich die Zulassungsbedingungen in vier Kapitel: für Reproduktionsbetriebe, Brutbetriebe, Geflügelbetriebe und Schlächtereien.
Als Beispiel hier einige typische Vorschriften aus den Zulassungsbedingungen für Hähnchenhaltungen:

  • gut ausgestattete Hygieneschleusen mit betriebseigener Kleidung und betriebseigenem Schuhwerk;
  • kontrollierter Betriebszugang mit Besuchererfassung und geschlossenen Betriebsgebäuden;
  • abgetrennte Futterlagerung mit Wartezeiten;
  • Verhütung der Einschleppung von Tierkrankheiten durch vogeldichte Gebäude, saubere Transportmittel, Verwendung betriebseigener Kleidung und von betriebseigenem Schuhwerk;
  • korrekte und dokumentierte Betriebsverwaltung;
  • gekühlte Tierkörperlagerung;
  • wirksame Ungezieferbekämpfung.
2. Zoonosen: Vorbeugung und Monitoring

Lebensmittelsicherheit im Zusammenhang mit "Zoonose" ist ein Schwerpunkt in der Geflügelfleischerzeugung und von daher ein Aspekt, dem das Belplume-Programm naturgemäß große Aufmerksamkeit und Bedeutung schenkt. Gegen die Einschleppung und Verbreitung bzw. das Verbleiben von Keimen im Betrieb werden breitgefächerte Vorbeugungsmaßnahmen vorgeschrieben.

Für die Brutbetriebe werden sämtliche Hygiene-Vorsorgemaßnahmen in einen Globalplan zur guten Hygienepraxis (GHP) gebündelt. Darin beschreibt jeder Brutbetrieb systematisch sämtliche Auflagen und Vorschriften für die Einrichtung, die Arbeitsweise, das Personal und die Besucher, damit die Einschleppung und Kreuzinfektion mit Salmonellen oder andern Krankheitserregern maximal unterbunden werden. Das für Brutbetriebe geltende Lastenheft schreibt vor, welche Punkte in jedem Fall in den GHP-Plan aufgenommen werden müssen; diese beziehen sich sowohl auf die Einrichtung, Reinigung und Desinfektion als auch auf die diversen Arbeitsabläufe im Brutbetrieb.

In voller Übereinstimmung mit der belgischen und europäischen Gesetzgebung beinhaltet das Lastenheft für Bratgeflügelschlachtereien und Zerlegebetriebe, quer durch alle Auflagen, die Erfüllung der HACCP-Prinzipien in der Betriebsführung. Demnach müssen die Schlacht- und Zerlegebetriebe im umfassendsten Sinn sämtliche Aspekte der Lebensmittelsicherheit beherrschen: durch sehr intensive Kontrollen, Aufzeichnungen und notfalls Verbesserungsmaßnahmen. Dies gilt sowohl für die eingehenden Rohstoffe als auch für die eigenen Bearbeitungsabläufe.

Über die Vorbeugung hinaus enthält das Belplume-Lastenheft auch ein sehr fortschrittliches Salmonellen-Monitoring:

  • für jede Stufe besteht eine obligatorische Ein- und Ausgangskontrolle auf Salmonellen;
  • weist der Laborbefund Salmonellen nach, muss eine Rückverfolgbarkeitsuntersuchung vorgenommen werden. Das Ergebnis dieser Untersuchung wird Belplume zugestellt. Belplume wird die Daten verarbeiten und analysieren, um die Zoonose-Bekämpfung weiter zu optimieren;
  • den Brut- und Schlachtbetrieben wird außerdem eine umfassende System- und Ablaufkontrolle in Sachen Salmonellen-Status auferlegt.

Die erforderliche Probenentnahme sowie die Frequenz der genannten Kontrollen sind in den einzelnen Lastenheften detailliert festgelegt. Alle Kontrollen betreffen Laboranalysen auf Salmonellen-Vorkommen; in festgelegten Einzelfällen erfolgt zusätzlich eine Serotypierung.Die genannten Maßnahmen zum Salmonellen-Monitoring und zur Salmonellen-Prävention sollen das Problembewusstsein in der gesamten Produktkette stärken und zu einer soliden Basis für eine eventuelle amtliche Salmonellen-Bekämpfungsstrategie beitragen.3. Sicherheit bei Zulieferern und Dienstleistern 

Nicht nur die Erzeugerbetriebe, sondern auch die Zulieferer müssen nach festgelegten, allgemein akzeptierten Qualitätsstandards arbeiten. Dazu verweist das Belplume-Lastenheft konkret auf folgende Ergänzungssysteme:
FCA - Feed Chain Alliance: 
Geflügelfutter darf nur von Lieferanten bezogen werden, die nach der GMP-Regelung zertifiziert sind.

GVP - Gute Veterinärpraxis: 
Betriebstierärzte müssen nach den Richtlinien der guten Veterinärpraxis oder einer gleichwertigen Regelung zertifiziert sein.

GSP - Gute Dienstleistungspraxis: 
Außenstehende Betriebe oder Betriebseinheiten, die berufsmäßig bestimmte Dienstleistungen verrichten - etwa Geflügelimpfung, Tiere einfangen und verladen, Stalldesinfizierung und -reinigung, Ungezieferbekämpfung - dürfen nur dann verpflichtet werden, wenn sie nach der GSP-Regelung Geflügel zertifiziert sind.
4. Rückverfolgbarkeit

Das Lastenheft beinhaltet Auflagen für die Bewahrung und den Austausch von Daten, die Einblick in den Werdegang und den Status jedes Geflügelloses gewähren. Dadurch werden die Transparenz der Nahrungsmittelkette sowie die Weitergabe aller relevanten Informationen angestrebt.

Außerdem besteht für die gesamte Produktkette Geflügelfleisch - vom Aufsetzen der Muttertiere für die Eintagsküken bis zum schlachtreifen Brathähnchen - ein einmaliges System der Rückverfolgbarkeit.
Das Konzept stützt sich auf die Kombination von Betriebsidentifizierung und Losidentifierung anhand einer einmaligen Losnummer. Die Vergabe dieser einmaligen Losnummer und die sorgfältige Aufbewahrung der dazugehörigen fortlaufenden Ketteninformation erfolgen durch eine begrenzte Anzahl anerkannter Satelliten. Auch die Arbeitsweise dieser Satelliten unterliegt einer neutralen Überwachung.
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